Autark im Einsatz: AST Camper GmbH rüstet mobile WC-Anhänger der BVG mit Solar und neuer Gastechnik aus

Ein klassisches Wohnmobil war es diesmal nicht, obwohl uns viele Dinge an dem Auftrag ziemlich bekannt vorkamen. Strom an Bord, Frischwasser, Grauwasser, Gasversorgung, Heizung, Pumpen und die Frage, wie man das Ganze möglichst unabhängig von einer festen Infrastruktur betreiben kann. Nur dass in diesem Fall niemand mit dem Fahrzeug in den Urlaub fährt. Vor uns stand ein mobiler WC-Container-Anhänger der BVG, einer von insgesamt fünf baugleichen Anhängern, die künftig mit einem einheitlichen technischen Konzept ausgestattet werden.
Der Auftrag ist auf den ersten Blick ungewöhnlich für eine Camper-Werkstatt, auf den zweiten allerdings überhaupt nicht. Denn technisch unterscheiden sich solche mobilen Einheiten in vielen Bereichen gar nicht so stark von dem, womit wir uns täglich beschäftigen. Auch hier müssen Wasser, Strom und Gas zuverlässig zusammenspielen, die Komponenten müssen zum Einsatz passen und am Ende soll die Technik möglichst unauffällig ihren Dienst tun. Genau darin liegt für uns der Reiz an solchen Sonderfahrzeugen. AST Camper GmbH arbeitet neben Wohnmobilen und Wohnwagen ausdrücklich auch an Sonderfahrzeugen und verbindet dabei unter anderem Erfahrung aus Fahrzeugelektrik, Gasversorgung und Solartechnik.
Der Generator war defekt, also wurde weitergedacht
Die mobilen WC-Anhänger der BVG verfügen bereits über eine eigene Energieversorgung. Ein Gasgenerator erzeugt den benötigten Strom und macht den Anhänger damit unabhängig von einer externen Steckdose. Beim ersten Fahrzeug war dieser Generator allerdings defekt und musste ersetzt werden. Damit hätte man es sich theoretisch einfach machen können: alten Generator raus, neuen rein, fertig. Technisch wäre das Problem damit zunächst erledigt gewesen.
Die interessantere Frage war aber, ob der Generator wirklich jedes Mal laufen muss, wenn im Anhänger Strom benötigt wird. Schließlich gibt es einige Verbraucher, die nicht permanent besonders hohe Leistungen verlangen. Dazu gehören die Beleuchtung, die Wasserpumpe für Toilettenspülung und Handwaschbecken sowie der elektrische Lüfter der Heizung, der besonders in der kalten Jahreszeit eine Rolle spielt. Frischwasser und Grauwasser werden direkt im Anhänger mitgeführt, sodass das gesamte System darauf ausgelegt ist, an unterschiedlichen Standorten möglichst selbstständig eingesetzt werden zu können.
Deshalb wurde die neue Generatorlösung um Solar ergänzt. Nicht mit dem Anspruch, den Gasgenerator komplett zu ersetzen, sondern um ihn sinnvoll zu entlasten. Wenn genügend Solarenergie zur Verfügung steht, kann ein Teil der elektrischen Versorgung darüber abgedeckt werden. Der Generator muss dadurch weniger häufig beziehungsweise weniger lange laufen, was wiederum Gas spart. Gerade bei Fahrzeugen, die regelmäßig mobil eingesetzt werden, ist das eine ziemlich naheliegende Kombination.


165 Watt Solar auf dem Dach
Für die zusätzliche Stromversorgung kommt ein Green Energy Solarset zum Einsatz. Auf dem Dach werden drei selbstklebende Solarmodule mit jeweils 55 Watt montiert, zusammen stehen damit 165 Watt Solarleistung zur Verfügung. Zum System gehören außerdem die passende Verkabelung, eine Dachdurchführung sowie ein Multivolt Solarregler für 12 und 24 Volt.
Bei solchen Arbeiten steckt ein großer Teil der eigentlichen Arbeit in Dingen, die später kaum jemand sieht. Die Dachfläche muss vorbereitet und gründlich gereinigt werden, die Position der Module muss zur vorhandenen Fläche und zu anderen Aufbauten passen, die Leitungen brauchen einen sauberen Weg ins Fahrzeug und die Dachdurchführung muss vernünftig ausgeführt werden. Danach wird die Solartechnik in das vorhandene elektrische System eingebunden. Das sind keine spektakulären Arbeiten für ein Hochglanzfoto, aber genau dort entscheidet sich meistens, ob eine Anlage nur irgendwie funktioniert oder dauerhaft sauber aufgebaut ist.
AST Camper GmbH plant und installiert Solarsysteme normalerweise für Wohnmobile und Camper, inklusive Regler, Verkabelung und den dazugehörigen Schutz- und Ladekonzepten. Bei diesem Projekt ist das technische Prinzip sehr ähnlich, nur der Einsatzzweck ist ein anderer.
Solar und Gas statt entweder oder
Interessant wird das Projekt vor allem durch das Zusammenspiel der beiden Energiequellen. Solar liefert Energie, wann immer die Bedingungen dafür passen, während der Gasgenerator weiterhin zur Verfügung steht, wenn mehr Leistung benötigt wird oder die Solarernte nicht ausreicht. Dass letzteres in Berlin während der dunkleren Monate gelegentlich vorkommen könnte, dürfte niemanden ernsthaft überraschen.
Deshalb wäre es auch falsch, die Solaranlage als vollständigen Ersatz für den Generator darzustellen. Das Ziel ist vielmehr, beide Systeme sinnvoll miteinander zu kombinieren. Bei gutem Wetter übernimmt Solar einen Teil der Versorgung und reduziert damit die notwendige Generatorlaufzeit. Reicht die verfügbare Energie nicht aus, bleibt der Generator die verlässliche zweite Säule. Für einen mobilen Anhänger, der unabhängig und an wechselnden Orten eingesetzt werden soll, ist genau diese Redundanz wichtiger als irgendein theoretischer Autarkie-Rekord.
Parallel zur Stromversorgung wird auch die Gasanlage überarbeitet. Zum Einsatz kommt eine GOK Caramatic DuoControl. Auch diese Umrüstung wird bei allen fünf Anhängern nach demselben technischen Konzept durchgeführt. Damit entsteht am Ende keine Sammlung von fünf individuellen Einzelanfertigungen, sondern ein einheitlicher Aufbau, der bei Wartung, Bedienung und späteren Arbeiten deutlich angenehmer ist.
Fünf Anhänger, ein gemeinsames Konzept
Der erste Anhänger ist damit gleichzeitig so etwas wie die technische Vorlage für die weiteren Fahrzeuge. Insgesamt umfasst der Auftrag fünf baugleiche mobile WC-Container, die alle die gleiche Ausstattung erhalten sollen. Das hat einen ganz praktischen Vorteil: Sobald der Aufbau beim ersten Fahrzeug sauber umgesetzt und dokumentiert ist, können die weiteren Anhänger nach demselben Schema bearbeitet werden.
Für uns gehört genau diese Dokumentation zu einer professionellen Arbeit dazu. Gerade bei komplexeren Einbauten sollen Leitungsführung, Komponenten und Arbeitsschritte nachvollziehbar bleiben, damit später niemand rätseln muss, was irgendwann einmal irgendwo verbaut wurde. Auch in den AST Camper GmbH Arbeitsabläufen sind dokumentierter Einbau, Funktionstest und saubere Übergabe feste Bestandteile.
Was an diesem Auftrag besonders schön ist: Er zeigt ziemlich deutlich, dass Technik aus dem Campingbereich nicht auf Campingplätze beschränkt ist. Ein autarkes Energiesystem, eine zuverlässige Gasversorgung, Frisch- und Grauwassertanks sowie elektrische Pumpen funktionieren auch dort, wo niemand morgens mit Kaffee vor dem Camper sitzt. Die Anforderungen sind andere, die technischen Grundlagen bleiben erstaunlich ähnlich.
Am Ende geht es deshalb weniger darum, möglichst viele Komponenten einzubauen, sondern darum, ein System zu schaffen, das im täglichen Einsatz zuverlässig funktioniert. Der Generator sorgt weiterhin für Sicherheit, wenn Solar nicht ausreicht, die Solarmodule übernehmen einen Teil der Grundversorgung und reduzieren den Gasverbrauch, und die Gasanlage wird für alle fünf Anhänger nach demselben Konzept aufgebaut.
Keine große Show, keine komplizierte Theorie. Einfach Technik, die ihren Job machen soll.
Und genau so mögen wir es.




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